Ein bekannter Pferdezahnspezialist hat einmal gesagt: «nur ein gezogener Wolfszahn ist ein guter Wolfszahn».

Der Wolfszahn ist ein kleiner Zahn vor dem ersten Backenzahn. Ursprünglich handelt sich um den ersten Prämolaren (P1 oder 05 genannt), welcher aber mit der Zeit immer wie kleiner wurde oder ganz verschwand und inzwischen nur noch bei ca.10-15% der Pferde vorkommt, beid-oder einseitig, häufig am Oberkiefer, selten auch am Unterkiefer.

Nicht jeder Wolfszahn stört, aber die meisten stören, wenn das Pferd mit einer Trense geritten wird:

Störend sind insbesondere folgende Wolfzähne: kleine oder wackelnde oder solche, die vom ersten Backenzahn (P2 oder 06) abgesetzt sind oder «blinde» Wolfszähne (diese befinden sich noch unter dem Zahnfleisch und sind von aussen nicht sichtbar und nur durch Abtasten spürbar oder auf einem Röntgenbild sichtbar). Solche Wolfszähen sollten gezogen werden.

Auch wenn das Pferd «maulig» ist beim Reiten (auf einer oder beiden Seiten), sich im Genick verwirft oder auch osteopathische Verspannungen im Schädelbereich festgestellt werden, würde ich empfehlen, vorhandene Wolfszähne zu ziehen.

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die allermeisten Reiter nach dem Wolfszahnziehen eine positive Veränderung in der Rittigkeit der Pferde bemerkt haben.

Das Ziehen von Wolfszähnen ist i.d.R. unkompliziert und findet am stehenden Pferde im Stall unter Sedation (Beruhigungsspritze) und lokaler Schmerzausschaltung statt.

Meine Empfehlung: jedes Pferd vor dem ersten Anreiten einem Pferdezahnspezialisten (=Tierarzt mit Zusatzausbildung in Pferdezahnmedizin) vorzustellen, um allfällige Wolfszähne zu diagnostizieren und gleich zu entfernen. Gleichzeitig können wackelnde Milchzahnkappen entfernt werden und scharfe Zahnspitzen abgerundet werden. Das Pferd wird es danken.

Mehr zum Thema Pferdezahnmedizin folgt…

Fotos von Dr.med.vet. Pascal Bucher www.buchertierarzt.ch

Titelbild: Wolfszahn P1 / 105 (Oberkiefer rechts des Pferdes), Ansicht von vorne ins Pferdemaul

2.Bild unten: vier (!) Wolfszähne gezogen bei einem Freiberger