Die Frage zum Reitergewicht – wann ist’s zu viel?

Ab und zu werde ich auf dieses Thema angesprochen, zudem war kürzlich im Bulletin Pferdesport und Pferdezucht (04/21) ein spannender Artikel zu diesem Thema zu lesen. Eine wichtige Frage, welche wir Reiter uns regelmässig stellen sollten.

Unter Gewichtsbelastung versteht man das Reitergewicht mit Sattel, Packtaschen usw.

Eine einfache Methode zur Abschätzung der Gewichtsbelastung berechnet sich wie folgt:

Widerristhöhe in cm – 100 + 30 = max. Gewichtsbelastung in kg

Dies gilt für normal gewichtige, regelmässig trainierte und gut bemuskelte Pferde. Bei übergewichtigen, untergewichtigen, untrainierten und/oder schlecht bemuskelten Pferden muss das Reitergewicht niedriger gewählt werden.

Eine weitere Methode ist der Röhrbeinbelastungsindex (RI), dieser ermittelt die tatsächliche Tragfähigkeit eines Pferdes in Abhängigkeit von seinem Fundament. Je höher der Wert, umso belastbarer das Pferd (z.B. Islandpferde haben einen hohen RI und sind somit belastbarer). Weitere Infos dazu auf www.tierschutz-tvt.de

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass:

  • eine Gewichtsbelastung von 10% ihres eigenen Körpergewichts von allen Pferden gut verkraftet wird, unabhängig von ihrer Konstitution und ihrem Trainingszustand
  • eine Gewichtsbelastung von 15% ihres eigenen Körpergewichts von den meisten Pferden normalerweise verkraftet wird, ohne Schäden davon zu tragen, unter Berücksichtigung von Trainingszustand, Art der Leistung und Pferdetyp.
  • eine Gewichtsbelastung von 20% bereits zu merklichen Veränderungen führt, v.a. in der Muskulatur. Unter optimalen Bedingungen kann sie toleriert werden, z.B. bei Islandpferden (welche einen belastbareren Körperbau aufweisen) oder bei sehr gutem Trainingszustand oder wenn die geforderte Leistung nur moderat ist.
  • eine Gewichtsbelastung > 25% zunehmend mit Schäden an Rücken und im gesamten Bewegungsapparat einhergehen und sind nach dem derzeitigen Wissensstand als tierschutzwidrig anzusehen.
  • ein unsicherer, nicht ausbalancierter Reiter den Effekt einer erhöhten Gewichtsbelastung verstärkt, dies gilt ebenso für einen nicht passenden Sattel
  • kräftig gebaute Pferdetypen (nicht zu verwechseln mit übergewichtigen Pferden!) relativ auf ihr Körpergewicht bezogen eine höhere Gewichtsbelastung ertragen als edle, zierliche Pferdetypen
  • Pferde für eine moderate Ausdauerleistung ein erhöhtes Belastungsgewicht besser vertragen als für eine kurze intensive Leistung
  • durch Anspannung der Bauchmuskulatur und Aufwölben des Rückens das Pferd ein erhöhtes Belastungsgewicht zum Teil kompensieren kann

Weitere wichtige Faktoren neben Rasse, Körpergewicht und Grösse des Pferdes sind sein Alter, Trainingszustand, die Bemuskelung, Nutzungsart, -dauer, -intensität, das Reitvermögen des Reiters, ein passender Sattel, korrektes Vorwärts-Abwärts-Reiten und viele mehr.

Die maximale Gewichtsbelastung von Pferden ist also von vielen Faktoren abhängig ist und somit für jedes Pferd individuell anzupassen.

Quelle: Merkblatt Nr.185 «Reitergewicht: Beurteilung der Gewichtsbelastung von Pferden unter Tierschutzgesichtspunkten», Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.

Belgara und Honey
Belgara und Honey, herzlichen Dank für das tolle Foto 🙂